Düsseldorf: NRZ vom 29. März 2005


Der erste Heimtreffer seit fünf Jahren

STINKSAUER: Wütend war das Trainergespann der türkischen U-19-Nationalmannschaft wegen des schlechten Abschneidens ihres Teams. Ohne Sieg schieden die Türken am Sonntag in der Zwischenrunde gegen Grasshopper Club Zürich aus. Daraufhin buchte Trainer Unal Karaman die Flüge kurzerhand von Montag auf Sonntag vor. So verließ das Team Deutschland schon kurz nach der Pleite. Bayer Leverkusen und der VfB Stuttgart reisten ebenfalls am Sonntag ab.

 

ÜBEL: Fußball zum Würgen erlebte Schiedsrichter-Assistent Pascal Dey in Benrath. Kurz bevor er die Partie Newcastle gegen Stuttgart winken musste, aß Dey eine Thunfischpizza und zog sich so eine Lebendsmittelvergiftung zu. Nach 30 Spielminuten ging gar nichts mehr. Auch Stuttgarter Magentropfen hatten nicht geholfen. Dey ließ sich von Kolle gin Marija Kurtes ersetzen und stürmte in die Schiedsrichterkabine ...

 

TELEFON: Ein ehrlicher Finder lieferte am Sonntag ein Handy bei Stadionsprecher Manfred Castor ab. Als der glückliche Besitzer sein Mobiltelefon abgeholt hatte, verkündete Castor: „Damit haben wir einen Tombola-Preis weniger."

 

VOLLJÄHRIG: Thomas Johrden war das Geburtstagskind des BV-Turniers. Gestern wurde der Bremer Kicker 18 und bei der Players night, der Fußball-Party im Alten Kesselhaus, von seinen Mannschaftskollegen und Trainer Mirko Votava gebührend gefeiert.

 

SPORTDIREKTOR: Ex-Fortune Anthony Baffoe gab sich die Ehre und in einem Interview seine Berufswünsche bekannt: „Ich wollte nie Trainer werden. Aber Sportdirektor, dann kann man die Trainer nämlich feuern."

 

GASTGEBER: Auch wenn der BV 04 wie in den vergangenen Jahren nichts gewann, so brach Trainer Sahsi Ulas doch zwei Serien: „Wir haben das erste Tor seit fünf Jahren geschossen und sind seit zehn Jahren das erste Mal in Führung gegangen. Zudem hat die Mannschaft sich toll präsentiert und die großen Teams gefordert." UBERRAGEND: Auszeichnungen für besondere Leistungen erhielten Torhüter Manuel Huber (Zürich), Verteidiger Kodai Watanabe (Japan), Mittelfeldkicker Nizamettin Caliskan (Dortmund) sowie Stürmer Liam Atkin (Newcastle). Der Preis (1000 Euro) für den besten deutschen Spieler ging an Uwe Hünemeier (Dortmund).


Gedanken an Turin

NEWCASTLE / Im Viertelfinale wurde Coach Peter Beardsley von der Vergangenheit eingeholt.

Irgendwann holt einen die Vergangenheit immer ein. So auch Peter Beardsley. Am Ostersonntag des BV-A-JuniorenTurniers kamen die von ihm trainierten Nachwuchskicker des englischen Premier-Ligisten Newcastle United im Viertelfinale gegen die Fortuna nicht über ein 1:1 nach regulärer Spielzeit hinaus - was die Entscheidungsfindung im Elfmeterschießen bedeutete.

 

Ausgerechnet das Duell Kikker gegen Torhüter! So wie schon am 4. Juli 1990 in Turin. Da traf Beardsley als Außenstürmer mit der englischen Nationalelf im WM-Halbfinale auf die deutsche Auswahl - und verlor bekanntermaßen. „Als wir gegen Fortuna ins Elfmeterschießen mussten, flitzten mir schon Gedanken an das Spiel in Turin durch den Kopf', I gestand der 44-Jährige ein. „Und beim Stand von 5:5 rutschte mir das Herz in die Hose." Schließlich haben Teams von der Insel so ihre Probleme mit der „Elfer-Lotterie". Doch Andrew Carroll versenkte den Ball im Netz, was die Schwarz-Weißen ins Halbfinale brachte. „Ein gewonnenes Elfmeterschießen - sehr untypisch für ein englisches Team", scherzte Beardsley trocken britisch.

 

Seit November vergangenen Jahres ist der ehemalige technisch versierte Flitzer Nachwuchscoach bei den „Magpies". Ambitionen auf einen Cheftrainer-Posten im Seniorenbereich hat er aber nicht: „Ich arbeite lieber mit den Jungs. Es macht einfach Spaß. Zudem hatte ich eine sehr gute Karriere und ich will unseren Talenten die Chance geben, ähnliches zu erreichen."

 


"So weit ich weiß, machen wir die beste Jugendarbeit

REAL MADRID / Alberto Lora Ramos kennt Superstar Raul nur aus dem Fernsehen. Starallüren sind dem Mannschaftskapitän völlig fremd.

 

„Galaktisch", „königlich", „das weiße Ballett". Auf Superlative besitzt Real Madrid ein Abo. Doch gefärbte Haare, goldene Fußballschuhe und Starallüren scheint Alberto Lora Ramos überhaupt nicht zu kennen. Verschmitzt lächelt der Kapitän der A-2-Junioren, verteilt Küsschen, gibt Autogramme und plaudert über seine (voraussichtlich) große Zukunft.

 

Erinnerungen an Roberto Carlos

Da orientiert sich der Mittefeldmotor, der ein bisschen an Roberto Carlos erinnert, an seinem Vorbild: „Raul!" Der Stürmerstar wurde ebenfalls in Madrid geboren, fing in der Real-Jugend an und ist heute aus dem spanischen Nationalteam nicht mehr wegzudenken. „Es ist also nicht unmöglich", hofft Lora, der Raul bisher nur aus dem Fernsehen kennt. Das Trainingsgelände der Jugend liegt an einer anderen Stelle als das der Profis. Das ändert sich erst, wenn der Sprung in die zweite oder dritte Senioren-Mannschaft gelingt.

 

Deshalb ist der Druck auf die Jugend riesig. Real scoutet spanienweit, um früh die besten Spieler beisammen zu haben. Ausländer werden selten verpflichtet, weil diese in der zweiten und dritten Liga nicht eingesetzt werden dürfen. „Eigentlich steht die Ausbildung der Spieler im Vordergrund", erzählt Lora, der am Karfreitag seinen 18. Geburtstag feierte. „Aber Titel sollen, wenn möglich, auch geholt werden." Damit kann Lora dienen. Seit sechs Jahren trägt er das Real-Trikot, wurde seitdem sechsmal Stadtmeister. Weil in Spanien keine landesweite Meisterschaft ausgetragen wird, fehlt Lora aber eine wichtige Komponente: das Duell mit dem FC Barcelona.„Die Rivalität zwischen beiden Klubs gibt es schon bei den ganz jungen Mannschaften", erzählt er mit funkelnden Augen, „deshalb freuen wir uns immer, wenn wir bei Turnieren aufeinander treffen." Eines wird allerdings schnell klarstellt: „Soweit ich weiß machen wir die beste Jugendarbeit", schmunzelt Lora.

 

Davon konnten sich die Zuschauer beim BV-Turnier überzeugen. Zwar sprang nach guter Leistung nur der dritte Platz heraus. Sympathien haben die Spanier trotzdemgewonnen. Auf dem Fußballplatz und daneben. Bei der „Players-Night" machte Real die Stimmung. Die Nachwuchs-Stars feierten galaktisch, flirteten königlich tanzten wie das weße Ballett.




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